Wie hängt die lebenslange Prävalenz von Hautkrebs mit der sexuellen Orientierung zusammen?

17. Februar 2020 – Eine häufig gestellte Frage ist, ob ein Zusammenhang zwischen sexueller Orientierung und lebenslanger Prävalenz von Hautkrebs besteht. Laut einer Studie mit 845’264 Erwachsenen in den USA, die am 12. Februar 2020 in JAMA Dermatology veröffentlicht wurde, wäre die Antwort auf diese Frage ein klares Ja. Sowohl schwule als auch bisexuelle Männer hatten im Vergleich zu heterosexuellen Männern höhere angepasste Quoten (siehe auch Odds-Ratio in diesem Zusammenhang) für die lebenslange Prävalenz von Hautkrebs. Im Gegensatz dazu hatten bisexuelle Frauen, aber keine lesbischen Frauen, im Vergleich zu heterosexuellen Frauen eine geringere Wahrscheinlichkeit für eine lebenslange Prävalenz von Hautkrebs.

Besonders besorgniserregend scheinen die höheren Chancen bei schwulen und bisexuellen Männern für Hautkrebs im Vergleich zu heterosexuellen Männern zu sein. Es stellt sich die Frage, ob diese Gruppen männlicher Personen sich wissentlich oder unwissentlich einem höheren Grad an Risikofaktoren aussetzen, die letztendlich zu Hautkrebs führen als ihre heterosexuellen Kollegen.

In der vorliegenden Studie wurden Daten aus den Umfragen des Behavioral Risk Factor Surveillance System (BRFSS) von 2014-2018 einer nicht institutionalisierten Bevölkerung in den USA analysiert, an denen 845’264 erwachsene Teilnehmer teilnahmen, die sich selbst als heterosexuell, schwul, lesbisch oder bisexuell identifizierten. So umfasste die Studie 845’264 Teilnehmer, darunter 351’468 heterosexuelle Männer (Durchschnittsalter 47,7; 95% CI 47,5-47,8), 7’516 schwule Männer (Durchschnittsalter 42,7; 95% CI 41,9-43,5), 5’088 bisexuelle Männer (Durchschnittsalter 39,3; 95% CI 38,2-40,4), 466’355 heterosexuelle Frauen (Durchschnittsalter 49,7; 95% CI 49,6-49,9), 5’392 lesbische Frauen (Durchschnittsalter: 41,9; 95% CI, 40,7-43,2), und 9’445 bisexuelle Frauen (Durchschnittsalter 32,7; 95% CI, 32,2-33,2). Die angepassten Odds Ratios (AORs) der Hautkrebsprävalenz waren sowohl bei schwulen (AOR, 1,26; 95% CI, 1,05-1,51; P = 0,01) als auch bei bisexuellen Männern (AOR, 1,48; 95% CI, 1,02-2,16) signifikant höher (P = 0,04) im Vergleich zu heterosexuellen Männern. Die AORs von Hautkrebs waren bei bisexuellen Frauen statistisch signifikant niedriger (AOR 0,78; 95% CI 0,61-0,99; P = 0,04), jedoch nicht bei lesbischen Frauen (AOR 0,97; 95% CI 0,73-1,27; P = 0,81) im Vergleich zu den AORs von Hautkrebs bei heterosexuellen Frauen. Daher hatten schwule und bisexuelle Männer in dieser Studie eine erhöhte selbstberichtete lebenslange Prävalenz von Hautkrebs im Vergleich zur Prävalenz bei heterosexuellen Männern. 

Wenn es um die Identifizierung möglicher Risikofaktoren geht, ist es bemerkenswert, dass Männer mit sexueller Minderheit selbst höhere Bräunungsraten in Innenräumen gemeldet haben als heterosexuelle Männer, und Frauen mit sexueller Minderheit haben im Vergleich zu heterosexuellen Frauen selbst niedrigere oder gleiche Bräunungsraten in Innenräumen gemeldet. Insbesondere bisexuelle Männer haben eine höhere Rate an Solarien in Innenräumen gemeldet als heterosexuelle Männer. In keiner Studie wurde jedoch die Prävalenz von Hautkrebs bei schwulen, lesbischen und bisexuellen Personen als separate Gruppe untersucht.

Bevölkerungsbezogene Daten zur Hautkrebsepidemiologie in Abhängigkeit der sexuellen Orientierung sind weiterhin unzureichend. Ohne belastbare epidemiologische Daten ist es für Dermatologen eine Herausforderung, ihre spezifischen Rollen in breiteren nationalen Gesprächen zur Verbesserung der Gesundheit zu erkennen und zu artikulieren. Wie in der vorliegenden Studie festgestellt, weisen neu auftretende Hautkrebsdaten, insbesondere bei schwulen und bisexuellen Männern, auf einen ungedeckten Bedarf an Hautkrebsvorsorge in bestimmten Subpopulationen hin. Darüber hinaus ist die weitere Implementierung des Moduls zur Überwachung der sexuellen Orientierung und der Geschlechtsidentität des Systems zur Überwachung des Verhaltensrisikofaktors unerlässlich, um das Verständnis für die Gesundheit und das Wohlbefinden von Individuen, welche  sexuellen Minderheiten angehören, in der Bevölkerung zu verbessern.

Es wäre auch interessant zu wissen, welche Arten von Hautkrebs in diesen Populationen häufiger auftreten. Man könnte sich leicht vorstellen, dass bestimmte Hautkrebstypen spezifisch in Abhängigkeit von den zugrunde liegenden Risikofaktoren auftreten, denen sich sexuelle Minderheitenpopulationen aussetzen, wobei Bräunung und längere Bräunungszeiten in entsprechenden Studios nur ein paar Beispiele dafür sind. 

Sehen Sie hier eine kurze Sequenz zu Hautkrebs:

Print Friendly, PDF & Email

Tags: , , , ,
About the Author
Joseph Gut - thasso Professor in Pharmakologie und Toxikologie. Experte in theragenomischer und personalisierter Medizin und individualisierter Arzneimittelsicherheit. Experte in Pharmako- und Toxiko-Genetik. Experte in der klinischen Sicherheit von Arzneimitteln, Chemikalien, Umweltschadstoffen und Nahrungsinhaltsstoffen.

Your opinion

Comment

No comments yet

thasso: zustände

thasso: neueste tweets

thasso: kürzliche kommentare

View my Flipboard Magazine.

thasso: kategorien

thasso: archive

thasso: einfacher chat

You must be a registered user to participate in this chat.

  • How genetic variation gives rise to differences in mathematical ability October 22, 2020
    DNA variation in a gene called ROBO1 is associated with early anatomical differences in a brain region that plays a key role in quantity representation, potentially explaining how genetic variability might shape mathematical performance in children, according to a study published October 22nd in the open-access journal PLOS Biology by Michael Skeide of the Max […]
  • High-quality cat genome helps identify novel cause of dwarfism October 22, 2020
    A new and improved cat genome developed by the feline research teams at the University of Missouri and Texas A&M University has already proven to be a valuable tool for feline biomedical research by helping to confirm existing gene variants and new candidate genes underlying diseases in cats. The new findings are published October 22nd […]
  • Multiple sclerosis as the flip side of immune fitness October 22, 2020
    About half of the people with multiple sclerosis have the HLA-DR15 gene variant. A study led by the University of Zurich has now shown how this genetic predisposition contributes to the development of the autoimmune disease multiple sclerosis in combination with environmental factors. The decisive factor is the shaping of a repertoire of immune cells […]
  • Scientists use gene therapy and a novel light-sensing protein to restore vision in mice October 22, 2020
    A newly developed light-sensing protein called the MCO1 opsin restores vision in blind mice when attached to retina bipolar cells using gene therapy. The National Eye Institute, part of the National Institutes of Health, provided a Small Business Innovation Research grant to Nanoscope, LLC for development of MCO1. The company is planning a U.S. clinical […]
  • Diagnostic, therapeutic advance for rare neurodegenerative disorder October 21, 2020
    Mayo Clinic researchers, along with national and global collaborators, have developed a potential test for Machado-Joseph disease, or spinocerebellar ataxia type 3 (SCA3)—a disease that has no cure. They also have clarified the role of a gene target associated with the disease.
Top