Wenn sie Blau werden – Trobalt (Retigabin) Behandlung kann zu Pigmentveränderungen von Augengeweben, einschließlich der Retina, und der Haut, Lippen und/oder der Nägel führen: Neue Einschränkungen für die Anwendung

Last Updated on

26. Juni 2013 – Die Firma GlaxoSmithKline (GSK) hat kürzlich einen „Rote Hand“-Brief an die deutsche Ärzteschaft versandt, um über eine  Einschränkung der Zulassung von Trobalt (Retigabin) nach Berichten von Pigmentveränderungen zu informieren und Empfehlungen für die Therapie-Überwachung zu geben.

Dabei soll Trobalt (Retigabin) ab jetzt nur als Zusatztherapie von pharmakoresistenten fokalen Krampfanfällen mit oder ohne sekundäre Generalisierung bei Patienten mit Epilepsie im Alter von 18 Jahren oder älter angewendet werden, bei denen andere geeignete Arzneimittel-kombinationen unzureichend wirkten oder nicht vertragen wurden.

Pigmentveränderungen (Verfärbung) von Augengewebe, einschließlich der Retina, sind in klinischen Langzeitstudien mit Trobalt (Retigabin) berichtet worden. Blau-graue Verfärbung der Haut, Lippen und/oder der Nägel sind ebenfalls in diesen Studien beobachtet worden. Patienten unter einer Trobalt (Retigabin) Behandlung sollten bei der nächsten Routineeinbestellung (nicht dringlich) untersucht werden. Es sollte erneut eine Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen, und die Patienten sollten über das Risiko einer Pigmentveränderung bei Langzeitbehandlung informiert werden.

Eine umfassende ophthalmologische Untersuchung (einschließlich der Sehschärfe, einer Spaltlampenuntersuchung und einer Fundoskopie in Mydriasis) sollte bei Behandlungsbeginn und danach mindestens alle 6 Monate unter fortgesetzter Therapie erfolgen. Patienten, die bereits mit Trobalt (Retigabin)  behandelt werden, sollten ophthalmologisch untersucht werden.

Falls Veränderungen des retinalen Pigments oder des Sehvermögens festgestellt werden, sollte die Behandlung mit Trobalt (Retigabin)  nur nach einer erneuten sorgfältigen Nutzen-Risiko- Abwägung fortgesetzt werden. Auch bei Patienten, die eine Verfärbung der Haut, Lippen und/oder der Nägel entwickeln, sollte die Behandlung mit Trobalt (Retigabin)  nur nach einer erneuten sorgfältigen Nutzen-Risiko-Abwägung fortgesetzt werden.

Weitere Informationen zu den Sicherheitsbedenken

Unter den in zwei klinischen Langzeitstudien und dem begleitenden „Compassionate Use“­Programm mit Trobalt (Retigabin) behandelten Patienten lagen bis zum 02. Mai 2013 vollständige augenärztliche Untersuchungen bei 55 Patienten vor. In diesen Studien wurden zu Behandlungsbeginn keine augenärztlichen Untersuchungen durchgeführt. Es wurden 21 Fälle von Pigmentveränderungen (Verfärbung) von Augengewebe berichtet, worunter bei 15 Patienten die Retina mit betroffen war. Fünf Patienten wiesen eine Sehschärfe von unter 20/20 (Snellen-Index) auf. Einer dieser Patienten hatte eine Sehschärfe von 20/160 auf einem Auge, während die anderen 4 Patienten eine Sehschärfe von 20/25 bis 20/40 auf einem oder beiden Augen hatten.

Leichte Abnormalitäten der retinalen Elektrophysiologie-Tests wurden bei zwei weiteren Patienten berichtet, bei beiden lag eine normale Sehschärfe vor. Bei einem dieser Patienten wurde zudem in der Perimetrie eine generalisierte Einschränkung der Gesichtsfelder beider Augen festgestellt.

Bis zum 02. Mai 2013 erhielt GSK 51 Berichte zu Verfärbung/Pigmentierung der Haut, Lippen und/oder der Nägel nach Behandlung mit Trobalt (Retigabin) in den zwei klinischen Langzeitstudien und dem „Compassionate Use“-Programm. Diese Ereignisse traten im Allgemeinen nach Langzeiteinnahme von Retigabin auf mit einer medianen Latenz von 4,4 Jahren (Spanne: 4 Monate bis 6,7 Jahre; die Latenz bezieht sich auf den Zeitpunkt, an dem die Verfärbungen erstmals berichtet wurden; einige Patienten hatten die Verfärbung(en), bevor sie diese gegenüber dem Prüfarzt erwähnten). Es gab keine offensichtliche Abhängigkeit von Alter oder Geschlecht. Die Ereignisse traten bevorzugt unter höheren Dosierungen auf, gewöhnlich 900 mg/Tag oder höher.

Die oben beschriebenen Veränderungen wurden bei einem großen Anteil der Patienten beobachtet, die weiterhin in den Langzeitstudien behandelt wurden. Etwa ein Drittel der Patienten, die bisher untersucht wurden, wiesen Pigmentveränderungen in der Retina auf. Die Ursache, der natürliche Verlauf und die Langzeitprognose der Veränderungen sind derzeit unbekannt, hierzu laufen weitere Untersuchungen.

Die Berichte zu Pigmentierung/Verfärbung werden bei längerer Einnahme von Trobalt (Retigabin)  als „sehr häufige“ Nebenwirkungen eingestuft, das heisst, mehr als ein Patient unter 10 behandelten Patienten kann davon betroffen sein.

 Es ist in diesem Zusammenhang sicher von Interesse zu wissen dass vor ein paar Wochen die Amerikanische Food and Drug Administration (FDA) eine exakt gleichlautenden Meldung für das Produkt Potiga (Ezogabin) auf dem amerikanischen Markt herausgegeben hat. Ezogabin ist ein Synonym für Retigabin; es handelt sich also dabei um den gleichen pharmakologischen Wirkstoff.

Tags: , ,
About the Author
Joseph Gut - thasso Professor in Pharmakologie und Toxikologie. Experte in theragenomischer und personalisierter Medizin und individualisierter Arzneimittelsicherheit. Experte in Pharmako- und Toxiko-Genetik. Experte in der klinischen Sicherheit von Arzneimitteln, Chemikalien, Umweltschadstoffen und Nahrungsinhaltsstoffen.

Your opinion

Comment

No comments yet

thasso: zustände

thasso: neueste tweets

thasso: kürzliche kommentare

View my Flipboard Magazine.

thasso: kategorien

thasso: archive

thasso: einfacher chat

You must be a registered user to participate in this chat.

  • The protein that stands between us and autoimmunity July 2, 2020
    The immune system is supposed to protect from external microbial invaders, but sometimes it turns its efforts inward, potentially resulting in autoimmune diseases. In a new study, researchers from Osaka University have discovered how reversible modifications to DNA by certain proteins protect from autoimmune diseases, and conversely, how the absence of these proteins paves the […]
  • Concern following gene therapy adverse events July 2, 2020
    The Editor-in-Chief of Human Gene Therapy, the first journal devoted to the field of gene therapy, and one of the world's leading experts on gene therapy have co-authored a new editorial, Moving Forward After Two Deaths in a Gene Therapy Trial of Myotubular Myopathy, in response to the news of two deaths in a now-halted […]
  • How a mutation on the novel coronavirus has come to dominate the globe July 2, 2020
    Flashback to mid-March: the novel coronavirus had reached San Diego, California. Few people could get tested, and even less was known about how the virus mutated as it spread from person to person.
  • High-definition likelihood inference of genetic correlations across human complex traits July 2, 2020
    Evaluating the genetic correlations across our phenotypes is of essential importance for understanding disease etiology and other potential causality. A new method—published in the journal Nature Genetics—vastly improves estimates of genetic correlations using established resources from genome-wide association studies.
  • Research team develops technology to improve effectiveness of stem cells in regenerative medicine July 2, 2020
    Stem cells have been holding great promise for regenerative medicine for years. In the last decade, several studies have shown that this type of cell, which in Spanish is called "mother cell" because of its ability to give rise to a variety of different cell types, can be applied in regenerative medicine for diseases such […]
  • Towards lasers powerful enough to investigate a new kind of physics July 3, 2020
    In a paper that made the cover of the journal Applied Physics Letters, an international team of researchers has demonstrated an innovative technique for increasing the intensity of lasers. This approach, based on the compression of light pulses, would make it possible to reach a threshold intensity for a new type of physics that has […]
  • Does DNA in the water tell us how many fish are there? July 3, 2020
    Researchers have developed a new non-invasive method to count individual fish by measuring the concentration of environmental DNA in the water, which could be applied for quantitative monitoring of aquatic ecosystems.
  • Fluorine enables separation-free 'chiral chromatographic analysis' July 2, 2020
    Researchers from the Shanghai Institute of Organic Chemistry of the Chinese Academy of Sciences recently developed a new platform for rapid chiral analysis, producing chromatogram-like output without the need for separation.
  • Hot flushes and night sweats linked to 70% increase in cardiovascular disease July 2, 2020
    New research from The University of Queensland has found that women who have hot flushes and night sweats after menopause are 70 per cent more likely to have heart attacks, angina and strokes.
  • The protein that stands between us and autoimmunity July 2, 2020
    Researchers from Osaka University identified the epigenetic proteins Tet2 and Tet3 as key regulators of B cell function. They showed that these proteins suppress B cell function and conversely, that Tet2/Tet3 knockout mice develop a mild form of systemic lupus erythematosus due to hyperactivation of T cells. These findings could help develop a novel treatment […]
Top