Iberogast: Pharmafirmen wie Autobauer. Täuschung der Kunden und Patienten für Profit

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20. Oktober 2018 – Das in der traditionellen chinesischen Medizin und in der Naturheilkunde mit verschiedenen therapeutischen Wirkungen assoziierte Schöllkraut hat eine potenziell lebertoxische Wirkung. Aufgrund dieser Lebertoxizität von Schöllkraut wurde bereits 2008 allen Phytopharmaka mit einer Tagesdosis von mehr als 2,5 mg Chelidonium-Gesamtalkaloiden die Zulassung entzogen.

Schöllkraut

Iberogast, ist eine flüssige Formulierung von neun Kräutern. Ee handelt sich um ein proprietäre Mischung, die 1961 in Deutschland entwickelt wurde und in anderen Ländern (ohne Rezept) erhältlich ist. Iberogast ist benannt nach der Gattung (Iberis) eines seiner extrahierten Kräuter, und es werden dem Produkt entzündungshemmende, antioxidative und freie Radikale hemmende Eigenschaften sowie die Fähigkeit, sowie die Magensäuresekretion zugeschrieben . Insgesamt ist Iberogast ist eine Mischung aus alkoholischen Extrakten aus Bitterlot (Iberis amara), Angelikawurzel (Angelicae radix), Mariendistelfrucht (Silybi mariani fructus), Schöllkraut (Chelidonii herba), Kümmel (Carvi fructus), Süßholzwurzel (Liquiritiae radix) , Pfefferminzkraut (Menthae piperitae folium), Balsamblatt (Melissae folium) und Kamillenblüte (Matricariae flos

In der Folge der erkannten Lebertoxizität von Chelidonium-Gesamtalkaloiden 2008 mussten auch alle Phyto-pharmazeutischen Präparate mit einer niedrigeren Tages-Gesamtdosis von Chelidonium-Gesamtalkaloiden, zu denen auch Iberogast gehört, in die Patienteninformation Warnhinweise zur Lebertoxizität in die Gebrauchsanweisung aufnehmen.

Dies ist bei Iberogast jedoch aufgrund des Widerstands des pharmazeutischen Herstellers (Bayer)  erst jetzt, zehn Jahre später, aufgrund neuer Fallberichte und unter dem Druck des deutschen Bundesamtes für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erfolgt. Unter Nutzen-Risiko-Abwägung kann das Schöllkraut-haltige Iberogast nicht mehr empfohlen werden.

Man muss sich das einmal vorstellen: Obwohl man seit zehn (10) Jahren weiss, dass Chelidonium-haltige Phytopharmaka nicht sicher sind in ihrer Anwendung, bringt es die Firma Bayer fertig, entsprechende Informationen (Warnhinweise) an die Patienten zu verhindern. Selbst wenn der Patient trotz entsprechender Warnhinweis das Produkt auf eigenes und bekanntes Risiko verwenden würde, grenzt die 10-Jahre dauernde aktive Verhinderung des Einfügens der entsprechenden Warnhinweise durch die Firma an Betrug am Patienten und an das bewusste in Kaufnehmens von Verletzungen von Patienten. Schlicht und einfach. Für Patienten nicht erträglich. Und abscheulich für eine Pharma-Firma.

Die nun eingeführten Warnhinweise für Iberogast sind ja eigentlich harmlos, aber verpflichtend (siehe auch die online Vorabinformation der Deutschen Ärzteschaft):

  • Kontrolle der Transaminasen bei mehr als vierwöchiger Einnahme
  • Keine Einnahme bei bestehender Lebererkrankung oder früherer Lebererkrankung oder gleichzeitige Anwendungsleber schädigender Arzneimittel
  • Sofortige Beendigung der Therapie bei klinischen Zeichen einer Leberschädigung
  • Ein Hinweis auf die Fallberichte mit möglicher Leberschädigung und Fälle mit Leberversagen
  • Diese Schöllkrautpräparate dürfen von Schwangeren und Stillenden nicht eingenommen werden.

Sollten sie Leiden für Patienten zu vermeiden helfen, wäre dies ein minimaler erster Schritt zum Schutze von Patienten. Leider zehn Jahre zu spät.

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Joseph Gut - thasso Professor in Pharmakologie und Toxikologie. Experte in theragenomischer und personalisierter Medizin und individualisierter Arzneimittelsicherheit. Experte in Pharmako- und Toxiko-Genetik. Experte in der klinischen Sicherheit von Arzneimitteln, Chemikalien, Umweltschadstoffen und Nahrungsinhaltsstoffen.

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