Gibt es eine genetische Prädisposition für schwerwiegende Hautreaktionen in asiatischen Patienten unter Phenytoin- oder Fosphenytoin-Therapie?

Last Updated on December 4, 2015 by Joseph Gut – thasso

26. März 2009 – Die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) hat Anfangs März 2009 angekündigt, dass sie preliminäre Daten untersucht welche auf ein drastisch erhöhtes Risiko für schwerwiegende Hauterkrankungen in Patienten hindeuten, welche aus Asien stammen, das Leukozyten-Antigen HLA-B*1502 tragen, und sich in anti-epileptischer Therapie mit Arzneimitteln befinden, welche die Wirkstoffe Phenytoin oder Fosphenytoin enthalten. Die angesprochenen Hauterkrankungen schliessen das Stevens Johnson Syndrom (SJS) und die Toxische Epidermale Nekrolyse (TEN) mit ein.

Nach aktuellen Schätzungen wird vermutet, dass in China, Taiwan, Thailand, Malaysia, Indonesien, und den Philippinen 15% der Bevölkerung das HLA-B*1502 Allel tragen. Im südöstlichen Asien, einschliesslich Indien, dürfte die Frequenz für das HLA-B*1502 Allel etwas niedriger sein, und in Japan und Korea liegt sie unter einem Prozent (1%).

Vorangegangene Studien haben gezeigt, das die Therapie mit Carbamazepin, einem anderen anti-epileptischen Wirkstoff, in asiatischen Patienten mit dem HLA-B*1502 Allel zu einem beträchtlichen Risiko für SJS und TEN führt. In diesem Falle empfiehlt die FDA, aus Asien stammende Patienten, vor Therapiebeginn mit Carbamazepin, auf das Vorliegen des HLA-B*1502 Alleles zu untersuchen. In HLA-B*1502 positiven Patienten soll danach eine Therapie mit Carbamazepin nur begonnen werden, wenn die zu erwartenden therapeutischen Vorteile die Risiken für SJS und TEN klar überwiegen.

Im Falle von Phenytoin und Fosphenytoin sind die Daten noch nicht entsprechend vollständig, um Patienten vor Beginn einer anti-epileptischen Therapie mit Phenytoin- oder Fosphenytoin-haltigen Arzneimitteln auf das Vorliegen des HLA-B*1502 Alleles zu untersuchen. Hingegen empfiehlt die FDA, Phenytoin  oder Fosphenytoin nicht als alternative Therapie für Carbamazepin in HLA-B*1502 positiven Patienten zu verwenden.

Patienten unter anti-epileptischer Therapie mit Arzneimitteln, welche Phenytoin, Fosphenytoin, oder Carbamazepin als Wirkstoffe enthalten, sollten sofort mit ihrem Arzt sprechen, wenn immer sie bei sich Hautveränderungen und Hautausschläge festellen. Setzen sie jedoch nie ohne ärztliche Beratung ihre anti-epileptische Therapie ab.

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Professor in Pharmakologie und Toxikologie. Experte in theragenomischer und personalisierter Medizin und individualisierter Arzneimittelsicherheit. Experte in Pharmako- und Toxiko-Genetik. Experte in der klinischen Sicherheit von Arzneimitteln, Chemikalien, Umweltschadstoffen und Nahrungsinhaltsstoffen.

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