Todesfälle unter Homöopathie: Was war da los?

24. Februar 2017 – Die Amerikanische Food & Drug Administration (FDA) prüft Todesfälle bei kleinen Kindern nach Einnahme / Anwendung  homöopathischer Mittel zur Bekämpfung von Schmerzen welche beim Zahnen auftreten. Nun warnt die FDA vor den entsprechenden homöopathischen Arzneien; es könnten bis zu zehn Kleinkinder durch die Anwendung entsprechender Mittel gestorben sein.

Die Warnung gilt für bestimmte homöopathische Präparate welche auf der Basis der Schwarzen Tollkirsche hergestellt werden, auch bekannt als Belladonna. Die Schwarze Tollkirsche (Atropa belladonna) ist eine giftigePflanzenart aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae). Neben ihrer alten Bedeutung als sogenannte Zauberpflanze wird Belladonna heute vor allem als Arzneipflanze verwendet. Neben allfälligen pharmakologischen Wirkungen sind einige Inhaltsstoffe von Belladonna durchaus von  toxikologischer Bedeutung wie etwa die Tropan-Alkaloide (S)-HyoscyaminAtropin, das als Racemat aus (S)- und (R)-Hyoscyamin beim Trocknen oder infolge der Extraktion gebildet wird, sowie Scopolamin.  Scopolamin ist strukturell nah verwandt mit Hyoscyamin, das das Hauptalkaloid der Belladonna darstellt. Pharmakologisch gesehen sind (S)-Hyoscamin und Scopolamin kompetitive Antagonisten an Muskarinrezeptoren.

Glomeruli

Nach den Grundsätzen der Homöopathie dürften diese Wirkstoffe der Belladonna in homöopathischen Präparaten nicht present und/oder nachweisbar sein. Nach dem Verfahren, das vor rund 200 Jahren von Samuel Hahnemann entwickelt wurde, geht man davon aus, dass Krankheiten mit Wirkstoffen geheilt werden, die bei Gesunden Symptome hervorrufen, die denen des Patienten ähneln. Die Wirkstoffe, werden wiederholt in Flüssigkeit verdünnt. Die Annahme der Homöopathie: Durch Schütteln vor der Verdünnung wird die Kraft des Wirkstoffs verstärkt (potenziert). Homöopathische Mittel sind unter anderem als Flüssigkeit oder Salbe verfügbar oder als sogenannte Globuli – Zuckerkügelchen, auf welche die verdünnten Lösungen gesprüht wurden. Die Verdünnungen sind oft so hoch, dass sich im fertigen homöopathischen Mittel kein einziges Molekül des Wirkstoffs befindet. Auch eine von Homöopathen angegebene “Energie” des Wirkstoffs lässt sich wissenschaftlich natürlich nicht begründen.
Wie aus den vorliegenden Untersuchungen der FDA hervorgeht, sind in den verwendeten Präparaten jedoch Wirkstoffe vorhanden gewesen, wie die Untersuchung mehrerer Tabletten (Glomeruli) zu Tage befördert  hat. Offenbar wurden in diesen Fällen die Produkte nicht stark genug verdünnt. Nach Janet Woodcock von der FDA sei die Reaktion von Kindern unter zwei Jahren auf die Inhaltsstoffe der Belladonna unvorhersehbar und stelle ein unnötiges Risiko für Babys und Kleinkinder dar. Der Behörde sei zudem kein gesundheitlicher Nutzen der Belladonna-Präparate bekannt.
  Anlass für die Analyse ist der Fall eines Kleinkindes, das 2016 nach der Einnahme der homöopathischen Tabletten mit epileptischen Anfällen ins Krankenhaus kam. Das Kind überlebte, doch der Vater meldete den Fall der FDA, die die Sicherheit homöopathischer Arzneien erst bei einem konkreten Verdacht überprüft. Die Behörde entdeckte daraufhin 400 weitere Berichte von Nebenwirkungen, die nach der Einnahme der Präparate aufgetreten waren, darunter zehn Todesfälle. Unter den häufigsten Beschwerden der erkrankten Kinder waren Krämpfe, Zittern, Fieber, Kurzatmigkeit und Lethargie. Der in Belladonna enthaltene Wirkstoff Atropin kann  diese Symptome auslösen, da er  im Körper den Parasympathikus beeinflusst. In der Folge können auch Sehstörungen, Herzrasen und Fieber auftreten. Höhere Dosen führen zum Koma und schließlich zum Atemstillstand.
  Die aufgetretenen Fälle lassen vermuten, dass der Herstellungsprozess der entsprechenden homöopathischen Präparate nicht den strengen Qualitätsanforderungen entsprach, wie sie z.B. für die Zulassung von herkömmlichen (schulmedizinischen) Arzneimitteln gelten. Im Gegensatz zu den USA wird z.B. in Deutschland vor der Markteinführung überprüft, ob die Produkte nach Rezepten der Homöopathie hergestellt wurden, also stark verdünnt sind, oder die Produzenten die Unbedenklichkeit nachweisen können. Insgesamt gelten für homöopathische Präparate aber auch z.B. in Deutschland weniger strenge gesetzliche Auflagen als für herkömmliche Arzneimittel. Ihre Wirksamkeit wird in aller Regel nicht überprüft und ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Auch Nebenwirkungen werden nicht zentral erfasst. Insgesamt müssen homöopathische Präparate unterliegen nicht unbedingt zugelassen werden, sondern können lediglich registriert werden; sie dürfen aber keine Indikation nennen. Steht auf der Packung hingegen eine definierte Indikation ist das Präparat nicht bloß zu registrieren, sondern durch die Behörden zuzulassen.Dabei sind sonst für eine Arzneimittelzulassung verpflichtenden klinischen Studien, die hohen Qualitätsansprüchen unterliegen und einen Wirksamkeitsnachweis erfordern, in der Regel nur vorgeschrieben, falls ein homöopathisches Präparat verspricht, die Symptome einer schweren oder lebensbedrohlichen Krankheit zu bekämpfen.
  Einige Länder wie die USA, Australien und Russland, respektive deren Arzneimittel-Zulassungsbehörden sehen homöopathische Heilprinzip eher kritisch, wie nachfolgend ersichtlich:
  Diese kritische Haltung ist durchaus vertretbar: Immerhin kamen in einer internationalen Studie aus dem Jahr 2016  Forscher zu dem Schluss, dass Nebenwirkungen durch Homöopathie ähnlich häufig sind wie in der evidenzbasierten Medizin. Da für homöopathische Präparate keine Meldepflicht für unerwünschte Wirkungen analog zu derjenigen für herkömmliche Arzneimittel im Rahmen der Pharmakovigilanz besteht, muss man von einer hohen Dunkelziffer nicht erwünschter Wirkungen homöopathischer Präparate ausgehen. Unter dem Strich ist jedes fatale Ereignis, ob durch ein homöopathisches Präparat oder ein herkömmliches Arzneimittel herbeigeführt, ein Ereignis zuviel, und besonders tragisch, wenn es sich bei den Opfern um Kinder handelt.
Sehen sie hier ein zugehöriges (kritisches) Video:
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Professor in Pharmakologie und Toxikologie. Experte in theragenomischer und personalisierter Medizin und individualisierter Arzneimittelsicherheit. Experte in Pharmako- und Toxiko-Genetik. Experte in der klinischen Sicherheit von Arzneimitteln, Chemikalien, Umweltschadstoffen und Nahrungsinhaltsstoffen.

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