Informationen über das Risiko von Osteonekrosen des Kieferknochens unter Therapie mit Aflibercept (Zaltrap)

17. März 2016 – Sanofi-Aventis Deutschland GmbH informiert in Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) und dem deutschen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in der Form eines “Rote-Hand-Briefes” zu Aflibercept (Zaltrap) wie folgt:

  • Bei mit Aflibercept (Zaltrap) behandelten Krebspatienten sind Fälle von Osteonekrosen des Kieferknochens gemeldet worden. Mehrere dieser Patienten hatten eine Begleitbehandlung mit intravenös angewendeten Bisphosphonaten erhalten, für welche Osteonekrosen des Kieferknochens ein bekanntes Risiko sind.
  • Die Behandlung mit Aflibercept (Zaltrap) kann einen zusätzlichen Risikofaktor für die Entwicklung von Osteonekrosen des Kieferknochens darstellen. Dies sllte berücksichtigt werden, insbesondere wenn die Anwendung von Aflibercept (Zaltrap) und intravenös angewendeten Bisphosphonaten gleichzeitig oder aufeinander erfolgt.
  • Invasive zahnmedizinische Eingriffe sind ebenfalls ein bekannter Risikofaktor für Osteonekrosen des Kieferknochens. Vor dem Beginn einer Behandlung mit Aflibercept (Zaltrap) sollten eine zahnärztliche Untersuchung und geeignete zahnmedizinische Vorsorgemaßnahmen in Erwägung gezogen werden.
  • Bei Patienten, die mit Aflibercept (Zaltrap) behandelt werden und die zuvor mit intravenös angewendeten Bisphosphonaten behandelt wurden oder diese aktuell erhalten, sollten invasive zahnmedizinische Eingriffe nach Möglichkeit vermieden werden.
Eine Meta-Analyse von drei Phase-3-Studien (EFC10262/VELOUR, EFC10261/VITAL, EFC10547/VANILLA) ergab eine Gesamthäufigkeit von Osteonekrosen des Kieferknochens von 0,2 % (3 Patienten, N = 1.333) bei Patienten, die mit Aflibercept (Zaltrap) behandelt wurden, und< 0,1 % (1 Patient, N = 1.329) bei Patienten, die mit Placebo behandelt wurden. Schätzungen zufolge wurden seit dem 03. August 2015 mehr als 22.700
Zaltrap I

Aflibercept

Krebspatienten weltweit mit Aflibercept (Zaltrap) behandelt. Kumulativ hat Sanofi bis zum 03. August 2015 acht Berichte zu Osteonekrosen des Kieferknochens erhalten, die bei mit Aflibercept (Zaltrap) behandelten Patienten aufgetreten sind. Für drei dieser Fälle wurde eine begleitende Gabe von Bisphosphonaten berichtet, für welche bekanntermaßen ein Risiko für Osteonekrosen des Kieferknochens besteht. Drei Fälle traten bei Patienten mit invasiven zahnmedizinischen Eingriffen auf. Von diesen drei Fällen mit zahnmedizinischen Eingriffen erhielten zwei gleichzeitig Bisphosphonate oder waren kürzlich mit Bisphosphonaten behandelt worden. Keiner dieser Fälle führte zum Tod.

Angesichts der Ergebnisse aus klinischen Studien, der Überprüfung der gemeldeten Fälle sowie eines potenziellen Klasseneffektes antiangiogener Wirkstoffe, die auf die VEGF­ Signalwege wirken, werden die Fachinformation und die Packungsbeilage aktualisiert, um die neuen Sicherheitsinformationen zu Osteonekrosen des Kieferknochens aufzunehmen und Empfehlungen zur Behandlung der Patienten zu geben.

Invasive zahnmedizinische Eingriffe sind ein bekannter Risikofaktor für Osteonekrosen des Kieferknochens. Daher sollten vor dem Beginn der Behandlung mit Aflibercept (Zaltrap) eine zahnärztliche Untersuchung und geeignete präventive zahnmedizinische Vorsorgemaßnahmen in Erwägung gezogen werden. Vorsicht ist geboten bei der gleichzeitigen oder aufeinanderfolgenden Gabe von Aflibercept (Zaltrap) und intravenös angewendeten Bisphosphonaten. Invasive zahnmedizinische Eingriffe bei mit Aflibercept (Zaltrap) behandelten Patienten, die zuvor intravenös angewendete Bisphosphonate erhalten haben oder diese aktuell erhalten, sind nach Möglichkeit zu vermeiden.

Aflibercept ist ein humanes, rekombinantes Fusionsprotein, welches unter dem Handelsname Eylea zur Behandlung der neovaskulären (feuchten) altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) bei Erwachsenen in den USA und in Europa zugelassen ist. Unter dem Handelsnamen Zaltrap ist Aflibercept ebenso in the USA und in Europa auch bei metastasiertem kolorektalem Karzinom (mCRC) bei Erwachsenen in Kombination mit einer Chemotherapie zugelassen.

Aflibercept besteht aus zwei identischen Polypeptidketten, welche auch die zweite Domäne des Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF) 1 Rezeptors sowie die dritte Domäne des Vascular Endothelial Growth Factor 2 Rezeptors enthält und mit der Fc Domäne des humanen IgG1 Antikörpers verbunden worden ist. Der Vascular Endothelial Growth Factor spielt eine wesentliche Rolle in der Bildung von neuen Blutgefäßen (Angiogenese), was sowohl bei AMD als auch beim Tumorwachstum bei mCRC entscheidend ist. Bei der neovaskulären (feuchten) altersabhängigen Makuladegeneration kommt es zu einer Gefäßneubildung in der Aderhaut (choroidale Neovaskularisation (CNV)), was zu einem Netzhautödem, zu einer Netzhautverdickung oder zu einer sub/intraretinaler Blutung führen kann und somit die Sehschärfe beeinträchtigt. Aflibercept wirkt als Inhibitor des Vascular Endothelial Growth Factor A („VEGF Trap“, engl. VEGF Fänger) und bindet zusätzlich den Plazenta-Wachstumsfaktur (PGF). Dadurch werden einerseits Krebszellen bei mCRC am Aufbau eines zusätzlichen Blutversorgungssystems und damit der Versorgung des Tumors mit Nährstoffen gehindert, andererseits verringert sich bei AMD die mittlere CNV-Läsionsgröße.

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Professor in Pharmakologie und Toxikologie. Experte in theragenomischer und personalisierter Medizin und individualisierter Arzneimittelsicherheit. Experte in Pharmako- und Toxiko-Genetik. Experte in der klinischen Sicherheit von Arzneimitteln, Chemikalien, Umweltschadstoffen und Nahrungsinhaltsstoffen.

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